|

TAG | NEUJAHRSANSPRACHE

In der Januar-Ausgabe der “Prenzlberger Ansichten” finden wir auf Seite vier:
Nachruf
Am 10. Dezember verstarb der Künstler und Philosoph Michael Haufe im Alter von nur 48 Jahren. Ein Wespenstich in den Hals löste bei ihm am 1. September einen allergischen Schock aus und er fiel in ein Wachkoma, aus dem er nicht mehr aufwachte. Er war Teil der Künstler­gruppe „die be#ton#werker“ und hatte das Spiel „Skach“, eine Mischung aus Schach und Skat, erfunden. Er lebte und arbeitete in Prenzlauer Berg.

unter der Rubrik “Persönliches” finden wir auf dessen website IdeenMontagen.de:
Ebenso bin ich Mitglied im BürgerVerein GleimViertel, weil dieser mehrheitlich gegen die Bebauung des MauerParks ist – aus diesem Grunde empfinde ich auch Sympathie für die Stiftung WeltBürgerPark, wie auch für BIN Berlin und für viele andere BürgerInitativen, welche sich gegen den herrschenden ZeitGeist und die BauLobbys engagieren, weil sogenannte ‘Investoren’ sich zunehmend den öffentlich Raum (schlimmer als FeudalFuzzis) aneignen) . Ich versuche weiterhin meinen Beitrag durch freies, träumerisches Denken zu liefern, aus welchem hoffentlich zukunftsorientiere Konzepte entspringen

Es erscheint mir wichtig und richtig auf den verstorbenen Freund und Mitstreiter zu blicken, indem wir sein Vermächtnis in Form seiner Gedanken anschauen, zunächst zum unbebauten, Großen Mauerpark, unserem Welt-Bürger-Park.

Mir ist Michael Haufe erstmals durch seinen Kommentar vom 4.November 2010 zum Aufruf zur Diskussion” von Jutta und Rainer Stern “Ein zu hoher Preis – Für einen Mauerpark ohne Wenn und Aber aufgefallen, denen ich direkt nach Lektüre schrieb:
[…]in Eurem Forum finde ich die scheinbar utopische Idee des FriedWalds im Grünzug von dem mir unbekannten Michael Haufe faszinierend: Forum Mauerpark: Aufruf zur Diskussion | gleimviertel.de
wenn man sie mit der Idee Frank Möllers, Stichwort Demeter-Schule (“Grüne” in Mitte bekämpfen “große” grüne Lösung für den Mauerpark | HELMHOLTZPLATZ) in Zusammenschau sieht, die seinerzeit am 18.März im Grunde der Ursprung der Welt-Bürger-Park Idee war, ergibt sich eine visionäre urbane Perspektive […]
was da Professor Lange wohl dazu sagen würde…

wer ist der Zeitgenosse mit derartigen Visionen für den Mauerpark, der seine Ausführungen mit diesem Appell : ”Bitte verwerfen Sie diese Idee nicht zu schnell… denken Sie in Ruhe darüber nach, reden Sie mit den Eigentümern, den Investoren und den Menschen. Sie werden in ihrem Leben nicht so schnell wieder eine Gelegenheit finden, wirklich Sinnvolles und Schönes zu schaffen.” und einem Verweis auf Mont Klamott“ von Silly schließt?
Es fügte sich, dass man sich schon am selben Abend kennen lernte: beim Vortrag “MAUERFALL RELOADED – Bedingungsloses Grundeinkommen: ein Fall der Mauer in den Köpfen” den Ralph Boes auf Einladung des BürgerInitiativen-Netzwerks BIN-Berlin in der Freien Schule am Mauerpark hielt.
In der nachfolgenden Diskussion erwies sich Michael Haufe als engagierter Verfechter des BGE, zu dessen Idee er einen erstaunlichen eigenen Aspekt hinzufügte, das sogenannte DrittelPrinzip, Näheres dazu hier.
Unter dem Eindruck des “Sanktionshungerns” Ende 2012 veröffentlicht er den Aufruf “Ralph Boes hungert für uns alle!

Auch die letzte Begegnung fand im Zusammenhang der BürgerInitiativen statt: Eingeladen hatten Bürgerverein Gleimviertel und die Mauerpark-Stiftung Welt-Bürger-Park zum Bundestagskandidaten-Check am 21.August 2013 ins “Haus der Sinne”, moderiert von Heiner Funken. Auch da konnte ich diesen außergewöhnlichen Bürger der ehemaligen DDR, der sich selbst mit ”..nu schon im 2. System unangepasster WeltVerbesserer” charakterisiert als freundlich, zugewandt und um Andere besorgt erleben – von seiner nicht einfachen persönlichen Biographie, die er uns auf seiner Website schildert, ließ er nichts nach außen dringen.

Elf Tage später ereilte ihn dann am “Weltfriedenstag” das Schicksal als dritte/r Mauerpark-Kämpfer/in innerhalb weniger Wochen von einer Biene bzw. Wespe gestochen zu werden, für Michael Haufe allerdings mit tödlicher Konsequenz, die sich am “Tag der Menschenrechte” zeitigte.

Ein weiterer merk- und denk-würdiger Umstand ist, dass Michael Haufe, der dritte Tote im Jahr 2013 aus dem Kreis der Gründungsmitglieder der Künstlergruppe “Die Be#Ton#Werker, nach Stine Klang und Axel Philipp, ist. Den Nachruf, den Michael Haufe an die Lyrikerin Stine Klang richtete ist hier zu finden. Ein Photo, das beide zeigt, hier. Und hier eine schöne Photomontage doppelbödig untertitelt mit „…zwischen Himmel und Abgrund – wir ’spielen“‚, das den Skach-Erfinder mit seinem Kompagnon Bert Gerlach zeigt.

Heute vor einem Jahr am Erscheinungstag des Jahres 2013 erschien Michael Haufes “NEUJAHRSANSPRACHE (eine echte)” und verdichtete noch einmal seine WeltAnschauung. Vielleicht ist die Quintessenz davon die Aussage:
Jeder Mensch, der meint, es ließe sich sowieso nichts ändern, ist schlimmer als der Tod – denn selbst der Tod verändert das Leben.
Nur nebenbei: man könnte einmal versuchen, diese Neujahrsansprache synoptisch mit “Marthashof, die antisoziale Plastik” von der AnliegerInitiative AIM zu lesen, und sehen was erlebbar wird – nicht nur weil dieser Text ebenfalls am Epiphaniastag erschien, 2010 nämlich, um genau ein Jahr darauf vertieft zu werden.

Nun soll von hier Michael Haufe kein „Rest-In-Peace“ nachgerufen werden, vielleicht gekoppelt mit „der Kampf geht weiter”, denn wir wissen ja von Michaels Impuls:
Die be#ton#werker wollen Lyrik, Poesie und Menschlichkeit in die nächsten Jahrhunderte hineintragen.” – dieser Impuls endet nicht mit dem Erden-Ende, er kann nun in anderer Form wirken.
Auf in neue Debatten” geht es für uns, die vorläufig Überlebenden, durchaus, denn “Ob am Pankower Tor, im Mauerpark oder im Thälmannpark: die Art wie künftig gebaut oder städtebauliche Verantwortung neu gestaltet wird, entscheidet sich an diesen drei Brennpunkten.
Das kann uns in rechter Weise nur gelingen, wenn wir in der Mauerpark-Allianz, die ja seit dem 11.März 2013, dem zweiten Fukushima-Jahrestag, ihre Arbeit aufgenommen hat, das Vermächtnishafte in der Gesamtperspektive der IdeenMontagen ernst nehmen können, und SO wird sich auch entscheiden, ob der Mauerpark 2015 gegebenenfalls zu einer Pilgerstätte des zivilen Widerstands“ gegen das Beton-Projekt werden kann.

Es geht um nichts anderes als den „Versuch die Gegenwart aus der Perspektive der Zukunft zu beleuchten” wie es der radikale (?) Gegner der Mauerpark-Bebauung Michael Haufe am 18. Februar 2013 in seinem Kommentar, dem auch der Titel dieses Blog-Eintrags entliehen wurde, formuliert und mit dem hier geschlossen werden soll:

Der Wunsch, dass Alle, welche eine Bebauung des MauerParks ablehnen, letztlich an einem Strang ziehen – diesen Wunsch hege ich auch.
Allerdings ist Vertrauen verlorgen geagngen. Wir leben in einer Zeit, wo die (an sich verschuldete) Stadt bzw. die Öffentliche Hand gern InfraStrukturMaßnahhmen in Auftrag gibt; BauFirmen, LandschaftsGärtner, Architekten und nicht zuletzt noch dieser oder jener Gutachter sichern sich dadurch Arbeit und/oder Gewinne.
Aber Jede(r) weiß, eine einmal bebaute Fläche wird nicht wieder frei (es sei denn, durch LuftAngriffe). Deswegen ist es nicht ‘radikal… und auch keine ‘FundamentalKritik, wenn man jegliche Bebauung… und insbesondere die eines möglichen Parks… verhindern möchte. Grüne unbebaute Flächen erhöhen den WohnWert in einer Stadt, ich (als nachfolgende Generation) bin früheren Generationen dankbar, für jede unbebaute Lücke, in welcher etwas Natur wachsen konnte. Kaum etwas weiß ich so gewiß: Jede nachfolgende Generation wird uns verfluchen, wenn wir es zuließen, dass der MauerPark bebaut wird.
Diejenigen, welche eine TeilBebauung akzeptieren wollten, um Schlimmeres zu verhindern, wurden getäuscht… und sie werden für die Zukunft nicht ausschließen können, weiterhin getäuscht zu werden.
Schade und traurig ist es, dass die SPD diese idiotische = altmodische InfraStrukturPolitik betreibt. Der MauerPark wird deutschlandweit, wird europaweit, wird weltweit genutzt, geliebt und beobachtet. Wenn die SPD die Bebauung des MauerParks durchsetzt, dann wird sie langfristig ebenso ihre Wähler verlieren, wie damls durch die Hartz_IV_Gesetzgebung – und zwar zurecht! Allein daran kann man die Verhältnismäßigkeit sehen. Nur dafür, dass ein paar Hanseln ihre Geschäfte machen können, riskiert es diese große VolksPartei auf Jahrzehnte ihren Ruf als bürgernahe Partei endgültig zu verlieren. Ich glaube, selbst CDU_Urgestein Eberhard Diepgen würde den MauerPark nicht bebauen.
Dennoch: Was ich hier schreibe, ist nicht g e g e n irgend jemanden geschrieben, weder gegen die SPD noch gegen Diejenigen, welche gern eine ‘kleine, schicke’ Bebauung hätten. Es ist nichts weiter, als der Versuch, die Gegenwart aus der Perspektive der Zukunft zu beleuchten. Jede(r), der sich gegen eine Bebauung eingesetzt hat… oder darauf verzichtete wird sich dafür auch noch in 50 Jahren in den Spiegel schauen können – (wenigstens dafür).
Und Jene, welche die Bebauung wollen (selbst wenn sie ‘klein’ anfängt, wird sie unaufhörlich weitergehen)…jene werden sich damit abfinden müssen, dass sie in der Stadt irgendwann als ‘Unerwünschte Personen’ gelten könnten.
Mich persönlich erschreckt die Kurzfristigkeit im politischen Denken, mir wäre es lieber, wir würden uns vertragen… und auf eine Bebauung vollständig verzichten.

Hat dir der Beitrag gefallen? Dann folge uns auf Twitter:

· · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · ·